Sportschießen mit der Vorderladerflinte

Das Schießen mit Vorderladerwaffen stellt wohl die intensivste Verbindung von Brauchtumspflege und dem modernen Schießsport dar, hat sich doch an der Handhabung und Ladeweise nichts gegenüber vergangener Jahrhunderte geändert. Über mehrere Jahrhunderte war diese Ladeweise führend, bis sie von den heute üblichen Hinterladern verdrängt wurde.

 

Beim heutigen Vorderladerflintenschießen werden hauptsächlich Flinten verwendet, die originalgetreue Nachbauten - sogenannte Replika - von historischen Flinten sind. Von einigen Schützen werden jedoch auch noch originale Vorderladerwaffen verwendet. Bei internationalen Wettbewerben des MLAIC (Vorderlader-Weltverband) werden Original und Replika in den Einzelwettkämpfen getrennt gewertet.

 

Anders als bei den heute üblichen Hinterladersystemen mit beweglichem Verschluss, ist das Laufende bei Vorderladern durch eine schraubenförmige Verbindung fest verschlossen. Eine solche stabile Verbindung ist notwendig, da die Ladung direkt im Lauf gezündet wird und die Pulverkammer des Laufes quasi die Funktion der fehlenden Patronenhülse übernimmt.

 

Der Vorderlader steht technisch am Anfang der Entwicklung der Handfeuerwaffen und eignet sich ausschließlich für die Verwendung von Schwarzpulver. Gegenüber modernen Treibladungspulver, das z. B. in modernen Flinten verwendet wird, handelt es sich bei Schwarzpulver nicht um eine chemische Verbindung sondern um ein Gemisch aus Holzkohle, Schwefel und Salpeter, wobei der Salpeter den Hauptbestandteil bildet. Beim Abbrand hinterlässt eine Schwarzpulverladung neben viel Qualm auch einen erheblichen Anteil fester Rückstände.

 

Schwarzpulver verfügt über eine gute Zündwilligkeit bei niedrigen Temperaturen. So reicht die offene Flamme eines Streichholzes zur Entzündung. Dieser Umstand erleichterte jahrhundertelang die Verwendung in Handfeuerwaffen, konnten die notwendigen Zündsysteme doch recht einfach gehalten werden. So begnügte man sich zunächst mit einer einfachen, brennenden Lunte für die Zündung der Ladung. Diese Zündungsart wurde dann durch die Steinschloßzündung abgelöst, welche wiederum von der Pistonzündung verdrängt wurde.

 

Das Flintenschießen wird in zwei Disziplinen unterschieden. Zum einen gibt es die Steinschloßflinte (Manton), bei der die Zündung durch den Funken eines Feuersteins das Zündkraut auf der Pfanne entzündet. Zum Anderen die modernere Perkussionsflinte (Lorenzoni), bei der die Zündung über ein auf einem Piston aufgesetztes Zündhütchen ausgelöst wird.

 

Auf Grund der hervorragenden Trainingsbedingungen und der vollen Unterstützung des Vorstands hat sich im Jahr 2012 eine Gruppe Schwarzpulverschützen unter dem Dach des Vereins für jagdliches Schießen im Hegering Haren (Ems) e. V. organisiert, die ab dem Sportjahr 2014 auch an nationalen und internationalen Wettkämpfen für den Verein teilnimmt und seitdem diverse Erfolge einfahren konnte. Hierzu gehören Mannschafts- sowie Einzelerfolge auf allen Ebenen über die Bezirks-, Landes- bis hin zur Deutschen Meisterschaft.

 

Auch die Nationalmannschaft des Deutschen Schützenbundes ist für die Schützen keine Unbekannte. So haben z. B. Werner Pahl, Heinrich Robben, Helmut Bruns sowie Roland Robben bereits an Welt- und Europameisterschaften teilgenommen.

2013 konnte sich Dirk Willms auf der Rangliste des Deutschen Schützenbundes mit Platz 3 für die Weltmeisterschaft 2014 in Granada (Spanien) sowie für die Europameisterschaft 2015 in Barcelos (Portugal) qualifizieren. Da Roland Robben nach Ausfall eines Nationalkaderschützen für die EM als Ersatzschütze nachnominiert wurde, konnte der Verein für jagdliches Schießen im Hegering Haren (Ems) e. V. zwei von vier Vorderladerflintenschützen der deutschen Nationalmannschaft stellen. Nachdem Willms und Robben im Juli 2015 bereits den Titel Deutscher Meister mit der Steinschlossflinte für sich gewonnen haben, konnte im August 2015 auch der Titel Europameister nach Haren gebracht werden.

Im Herbst 2014 wurde auf der Anlage des Vereins für jagdliches Schießen im Hegering Haren (Ems) e. V. der D-Cup (Deutschland-Cup) Vorderladerflinte ausgetragen. Bei diesem Wettbewerb messen sich die verschiedenen Landesverbände vertreten durch ihre besten Schützen. Die Teilnehmer aus ganz Deutschland waren begeistert von den gebotenen Bedingungen der Schießanlage. Diese Rahmenbedingungen spiegelten sich auch in den Ergebnissen wieder. Dank eines gewissen Heimvorteils konnte der Nordwestdeutsche Schützenbund (NWDSB) den D-Cup in den Norden holen.

Sollten Sie selbst Interesse an dieser interessanten Variante des sportlichen Schießens haben, stehen Ihnen unsere Ansprechpartner gerne zur Verfügung.

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